Schlaf

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    Wie ein Stein im Bett

    Silke Krüger erfragte Petrus' Meinung zum schlafen

    "Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet..." ...und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend ...und er kam und fand sie abermals schlafend und ihre Augen waren voll Schlafs ..."Ach, wollt ihr nun schlafen und ruhen?..." (Aus: Jesus in Gethsemane Mt 26,36-46)

      Silke: "Hallo Petrus, wir von der jg-Redaktion haben uns überlegt, einmal eine Ausgabe zum Thema `Schlaf` zu machen. Kannst Du Dich noch erinnern, was Du früher vom Schlafen gehalten hast?"

      Petrus: "Schlafen? Hm, laß mich mal einen Moment überlegen. Es ist schon verdammt lange her, daß ich auf der Erde rumspaziert bin. Über das Schlafen nachgedacht habe ich eigentlich nie. Als ich noch Fischer war, fiel ich nach der getanen Arbeit meistens wie ein Stein auf mein Bett. Meine Frau fand das nicht so lustig, weil sie sich meistens gerne noch ein bißchen mit mir unterhalten hätte. Ja, ich habe geschlafen, weil ich k.o. war. Manchmal habe ich von der Arbeit geträumt. Das war nicht immer nett, da ich im Traum immer Angst hatte, daß mein Kahn untergeht. Als Fischer schläft man, weil man müde ist von der Arbeit, oder ich döste vor mich hin, weil es heiß war und ich gerade eh nichts tun konnte. Eine persönliche Meinung habe ich nicht zum Thema 'Schlaf'."

      Silke: "Okay, Du hast also keine persönliche Meinung zu unserem Thema. Schlafen gehörte für Dich einfach so zu Deinem Leben als Fischer dazu, ebenso wie das Träumen. Ich nehme an, daß Du in den letzten anderthalb tausend Jahren mal was vom Neuen Testament gehört hast."

      Petrus: "Ja, zu meiner Zeit gab es das selbstverständlich noch nicht. Es ist auch kein Science Fiction Roman, sonst hätte es das Buch schon geben können. Aber Du willst sicher wissen, ob ich da mal reingeschaut habe? Ja ich hab's mal gelesen. An manche Geschich-ten kann ich mich nicht mehr so erinnern - im Groben stimmt das so. Aber was hat das Neue Testament mit mir und dem Thema Schlaf zu tun?"

      Silke: "Uns vom Redaktionsteam fiel die Geschichte vom Garten Gethsemane ein."

      Petrus: "Oh, an diesen ganzen Tagen vor der Kreuzigung habe ich keine so brillante Figur gemacht - mußt Du mich daran erinnern?"

      Silke: "Wenn Du nicht willst, brauchen wir nicht darüber zu reden, aber dann hat unsere jg-Ausgabe einen Artikel weniger... Vielleicht erzählst Du mir erst noch, ob sich Dein Schlafverhalten geändert hat, als Du Jünger von Jesus wurdest."

      Petrus: "Wir sind viel umhergezogen, in Gegenden, die ich gar nicht kannte. Zum Glück waren wir öfter am See Genezareth. Ein Fischer ganz ohne Wasser, das wäre nicht gegangen. Wir waren viel unterwegs. Ich hörte die Geschichten Jesu, diskutierte mit anderen darüber oder dachte darüber nach - es war eine ganz andere Zeit. Und es war auf eine ganz andere Art anstrengend, so daß ich auch dann abends froh war, mich endlich schlafen legen zu können. Aber es war anders: Als Fischer war klar, wann die Arbeit zu Ende war, aber mit Jesus...so richtig gearbeitet haben wir da nicht. Ich hätte nie gedacht, daß Erleben, Zuhören und andere Menschen so anstrengen können. Die Tage hatten keinen klaren Anfang und kein klares Ende. Immer wieder schliefen wir an anderen Plätzen."

      Silke: "Ich schlafe auch am liebsten in meinem eigenen Bett. Aber erzähl' doch bitte etwas über Gethsemane!"

      Petrus: "Wenn ich hier schon über so etwas Persönliches wie mein Schlafverhalten berichte und die story eh in dem Neuen Testament abgedruckt ist, kann ich es auch erzählen. Ich möchte nicht wissen, was ihr Christen für ein Bild von mir habt! An den letzten Tagen vor der Kreuzigung überschlugen sich die Ereignisse: die ständige Spannung in der Luft, Jesu rätselhafte Worte, die Probleme mit Judas,... Wir alle wußten, daß bald etwas geschehen wür-de, womit wir alle nicht rechneten. Aber ich war mir sicher, daß ich auf jeden Fall zu Jesus halten würde und ihm in allen Gefahren beistehen wollte. Aber wie Du weißt: In Gethsemane habe ich geschlafen wie ein Baby und später bekam ich es mit der Angst zu tun und habe Jesus doch verraten. Ich war ein Versager! Da hatte uns Jesus extra gebeten, wach zu bleiben, und wir spürten, daß es ihm viel bedeutete, weil es ihm ziemlich schlecht ging... Und ich bin doch dreimal tief eingeschlafen. Ich war so erschöpft von den letzten Tagen und Stunden, daß ich meinem Meister nicht beistehen konnte, als er mich brauchte, als es ihm wichtig war. In einem entscheidenden Augenblick meines Lebens habe ich geschlafen, einen wichtigen Moment ver-schlafen, weil ich meinen Körper nicht mehr beherrschen konnte. Du hast mich nach meiner Einstellung zum Schlafen gefragt. Es ist natürlich und schön einfach sich hinzulegen und zu schlafen. Es tat mir immer gut zu schlafen. An sich finde ich schlafen sehr positiv, aber auf dem Hintergrund dieser Geschichte... Wahrscheinlich ist es am besten, in wichtigen Zeiten einfach mehr Energie aufzuwenden, wachsam zu sein und auf die Dinge, die geschehen, zu achten. Ob es sich machen läßt, im richtigen Augenblick der Aufforderung "Wachet und betet" zu folgen, weiß ich nicht. In Gethsemane ist es mir nicht gelungen. Als ich selber verfolgt wurde, war ich oft wach und betete. Menschen sind Menschen - wir machen Fehler. Das dürfte sich in den letzten 2000 Jahren nicht geändert haben. Aber auch unsere Fehler können uns wach rütteln, wenn sie uns bewußt werden. Das mit dem Schlafen ist keine so einfache Sache, wie es mir eingangs erschien. Es ist schwer, mit dem Aspekt umzugehen, etwas zu verschlafen - aber das kann einem auch passieren, wenn man eigentlich wach ist."

      Silke: "Meine Güte Petrus, Du bist ganz schön modern: nichts läßt sich eindeutig sagen, alles bedingt sich irgendwie gegenseitig, alles hat mindestens zwei Seiten und endet mit einem klaren 'ja, aber...'. Ich hätte nicht vermutet, daß ihr damals auch schon so gedacht und argumentiert habt! Obwohl ich jetzt keine eindeutige These habe, was Du, Petrus, über den Schlaf sagst, bedanke ich mich ganz herzlich dafür, daß ich Dich für dieses Gespräch stören durfte..."

      Petrus: "Mir hat es Spaß gemacht mal über den Schlaf nachzuden-ken, auch wenn es mich an unangenehme Situationen erinnert hast."

      Silke: "Es ist normalerweise so, daß diejenigen, die wir intervie-wen auch ein Belegexemplar der jg-Ausgabe bekommen - aber bei Deiner Adresse ist das ein wenig schwierig. Ist das in Ordnung, wenn wir in Deinem Fall davon absehen?"

      Petrus: "Eigentlich würde ich die anderen Artikel auch gerne lesen, aber ich werde mal beide Augen zudrücken..."

      Silke: "Um Dich schlafen zu legen?"

      Petrus: "Du weißt doch, daß das eine Redewendung ist!"

      Silke: "War nur `ne dumme Bemerkung. Danke für Dein Verständnis und Deine Zeit. Wir vom Redaktionsteam wünschen Dir weiterhin alles Gute!" .

      Silke Krüger



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