Gewalt überwinden

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    Der Terror und die Friedenskirche

    Mennonitische Reaktion auf den 11.9.2001 (AMG)

    Die schrecklichen Anschläge auf das World Trade Center vom 11. September 2001 haben weltweite Reaktionen auch von Mennoniten zur Folge gehabt. Gleiches gilt für die Militärschläge der NATO gegen Afghanistan. Die junge gemeinde dokumentiert einige Texte zum Thema.

    Überwindet die Gewalt!

    Als "Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden K.d.ö.R." (AMG) und "Deutsches Mennonitisches Friedenskomitee" (DMFK) bringen wir unser Entsetzen über die Terroranschläge in New York und Washington zum Ausdruck.

    Wir trauern und leiden mit den Tausenden von Menschen und Familien, über die Not und Tod gebracht wurde. Wir fühlen mit denen, die Familienangehörige oder Betriebsangehörige verloren haben. Wir sind erschrocken über die Brutalität und Menschenverachtung, mit der dieser Terroranschlag ausgeführt wurde.

    Gott will keinen Krieg

    Als Mennoniten kommen wir aus der friedenskirchlichen Tradition. Seit dem 16. Jahrhundert haben wir versucht, Jesu Aufruf zur Gewaltfreiheit zu folgen. Mit anderen Kirchen formulierten wir bei der Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen 1948 "Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein". Dieser Erkenntnis wollen die Kirchen mit der Anfang 2001 begonnenen "Dekade zur Überwindung von Gewalt" neuen Ausdruck verleihen. Auch die Vereinten Nationen haben das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends zur "Internationalen Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit für die Kinder der Welt" erklärt.

    Die schrecklichen Gewalttaten der zweiten Septemberwoche bestärken uns darin, dass es genau darum geht: Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung zu überwinden. Darum darf diesem Terroranschlag nicht mit einem Krieg begegnet werden, sondern nur mit den entsprechenden Mitteln der internationalen Verbrechensbekämpfung. Im Rahmen der UNO sollten alle Staaten dafür gewonnen werden. Ein Krieg würde nur zu noch mehr Polarisierung beitragen. Nur behutsames Vorgehen kann eine weitere Eskalation der Gewalt verhindern und den Boden bereiten für Verständigung.

    Nachdenkliche Stimmen von Mennoniten und anderen Christen aus den USA geben zu bedenken, dass der Hass auf die westliche Welt seine Ursachen zum Teil auch in konkretem wirtschaftlichen, politischen, militärischen und kulturellen Handeln unserer Nationen hat. Auch deshalb kann diesen Verbrechen und der hinter ihnen stehenden Ideologie kaum wirksam mit Mitteln der Gewalt begegnet werden.

    "Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute." (Römer 12,21)

    Der amerikanische Baptistenpastor Martin Luther King hat gewaltfreie Wege zur Überwindung von Ungerechtigkeit, Hass und Gewalt aufgezeigt. Für ihn war der Rat des Evangeliums "Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute!" eine durchaus politische Handlungsanweisung. Zur Überwindung des Terrorismus gehört darum nicht nur die Verfolgung und Bestrafung der Schuldigen, sondern vor allem der Einsatz für gerechte wirtschaftliche Strukturen, Selbstbestimmung der Völker und Kulturen und Verständigung aller Menschen.

    Eine Politik des Interessenausgleichs, der Gewaltprävention und gewaltfreien Konfliktaustragung mit international anerkannten Regeln und Mechanismen ist notwendiger denn je. In diesem Sinne möchten wir die Politiker ermutigen, die Vereinten Nationen zu stärken. In der aktuellen Herausforderung ermutigen wir die politisch Verantwortlichen zu Besonnenheit und Zurückhaltung. Es gibt Alternativen. Die Spirale der Gewalt kann unterbrochen werden. Schon jetzt ist genug Leid geschehen.

    Für die AMG: Ingeborg Dettweiler, Corinna Schmidt, Werner Funck
    Für das DMFK: Günter Bürcky, Hans Jakob Galle, Wolfgang Krauß, Rosemarie Wienss / 25. 9. 2001

    Eine Stellungnahme des Mennonite Brethren Biblical Seminary (MBBS) finden Sie hier.
    Eine Stellungnahme des Mennonite Central Committee (MCC) finden Sie hier.


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