Taufe

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    So wird´s gemacht - Die Taufpraxis mennonitischer Gemeinden

    Ungefähr ein Dutzend mennonitischer Gemeinden nahm an der jg-Umfrage zur Taufe teil. Wir haben ausgewählt und dokumentieren die interessantesten Ausschnitte aus den Antworten.

    Welche Worte werden bei der Taufe verwendet?

  • "Nach deinem Bekenntnis des Glaubens taufe ich dich auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." - Ingolstadt
  • Auf das Wort des Herrn, nach dem Bekenntnis deines Glaubens und deiner Bereitschaft zur Nachfolge hin, taufe ich dich in den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. - Weierhof
  • Der Täufling wird gefragt: "Glaubst Du an Jesus Christus als an Deinen persönlichen Erretter?" Nach einem "JA", wird gesagt: "Auf Deinen Glauben taufe ich Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes." - MBG Oerlinghausen
  • Auch das ist individuell verschieden. Dabei immer die Formulierung, dass wir auf das Bekenntnis des Glaubens taufen und dies auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. - Kohlhof
  • N.N., auf das Wort unseres Herrn Jesus Christus, nach dem Bekenntnis deines Glaubens und deiner Bereitschaft zur Nachfolgetaufe ich dich mit diesem Wasser im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Gott, wir taufen mit Wasser. Gib du deinen Heiligen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. - Neuwied-Torney

    Wie wird getauft?

  • Durch untertauchen oder begießen, wobei in fast immer die Form der Untertauchtaufe gewählt wird. "Besprenkeln" - d.h. Besprengen praktizieren wir nicht, weil die Symbolik (zur Sündenvergebung) nicht unserem Taufverständnis entspricht. - Ingolstadt
  • Besprengungstaufe mit Wasser aus einer alten silbernen Taufschale. - Norden
  • Die Menge des Wassers spielt bei uns eine untergeordnete Rolle. Die Täuflinge wählen selber die für sie angemessene Form aus. Wenn wir eine Untertauchtaufe haben, müssen wir uns ein mobiles Becken ausleihen. - Backnang
  • Es gibt in unserer Gemeinde gab und gibt es alle erdenklichen Taufformen (untertauchen, besprenkeln , übergießen - im Gemeindehaus, im Freien, am Weiher...), im Prinzip entscheiden das die Täuflinge. Spezielle Gerätschaften gibt es nicht. - Kohlhof
  • In der Evangelischen Mennonitengemeinde Neuwied ist die Form der sog. Besprengungstaufe üblich gewesen, bei der durch den Taufenden eine handvoll Wasser aus einer Schale über den Kopf des Täuflings balanciert wurde und dort dann entleert wurde. Aus technischen Gründen floss mal mehr, mal weniger Wasser (daneben). Derzeit praktizieren wir eher die Begießungstaufe, bei der aus einem Krug ein wenig Wasser durch einen Mitarbeiter (Vorstandsmitglied) in die über dem Kopf des Täuflings nach oben geöffnet gehaltenen beiden Hände des Taufenden (Prediger) gegossen wird. Dieser wendet dann die Hände und entleert das Wasser auf den Kopf des Täuflings und legt ihm gleichzeitig die Hände zu einem Segensgebet auf. Also: Begießungstaufe mit Kanne ist die Regel. Es hat in der Vergangenheit allerdings auch bereits mehrere Untertauchtaufen gegeben, zu denen man dann in Baptistengemeinden oder mennonitische Brüdergemeinden ging. - Neuwied-Torney
  • Meist im Rhein im Rahmen eines Open-Air-Festgottesdienstes. Meistens von mir. Meist Untertauchtaufe. Meist mit Kleidern (wir benutzen selten ein spezielles Taufgewand). Ab und zu haben wir auch Übergießungstaufen, die dann im Rahmen eines Festgottesdienstes in unserem Gemeindesaal stattfinden. - Karlsruhe-Thomashof

    Gibt es bestimmte Tauftermine?

  • Wir haben weder einen bestimmten Tauftermin noch gibt es "Täuflinge eines Jahrganges". Getauft wird, wenn jemand Christ geworden ist, sich für die Nachfolge Jesu entschieden hat. Wenn es sich ergibt, wie z. B. nach einem Glaubensgrundkurs für Erwachsene im vorletzten Jahr, taufen wir natürlich auch mehrere Leute gleichzeitig. - Ingolstadt
  • Einen bestimmten Tauftermin gibt es nicht, allerdings werden bis zu 2-3 Taufen pro Jahr durchgeführt. Hierfür werden die Täuflinge "gesammelt", um mit ihnen einen Taufunterricht durchzuführen. Der Taufunterricht umfasst einen kurzen Glaubenskurs und eine Einführung in das Gemeindeleben. - MBG Oerlinghausen
  • Es gibt mehrere mögliche Tauftermine im Jahr. Traditionell ist des Pfingsten. Wir hatten aber auch schon drei Tauftermine. Künftig wollen wir einen Termin im Frühjahr (Pfingsten oder Ostern) und einen im Herbst (nach Erntedank) anbieten. - Neuwied-Torney
  • Das einmalig im Jahr stattfindende Gemeindepicknick ist unser bevorzugter Termin für Untertauchtaufen. Wir versuchen bei mehreren Taufanfragen, die Taufen an einem Sonntag durchzuführen. Ausnahmen bestätigen die Regel. - Karlsruhe-Thomashof
  • Früher war es (etwa bis 1975) der Sonntag Judica, zwei Wochen vor Ostern. Seither gibt es keinen festen Tauftermin. Taufe ist, wenn jemand getauft werden will. Praktisch läuft es so, dass in der Regel eine Gruppe von Täuflingen sich zusammentut und auf einen Termin einigt. Es kommt/kam aber auch vor, dass einzelne oder zwei zusammen auf einem bestimmten eigenen Termin bestanden. - Hamburg

    Gibt es spezielle Taufgeschenke?

  • Von der Gemeinde gibt es als Geschenk einen Blumenstrauß und eine Taufbescheinigung. - MBG Oerlinghausen
  • Wir geben den Täuflingen gerne ein Liederbuch, Bibel o.ä. als Geschenk. Zusätzlich gibt es natürlich eine Taufurkunde. Deren Design wechselt. Wir haben diesbezüglich das Gelbe vom Ei noch nicht gefunden. - Karlsruhe-Thomashof
  • Eine Bibel, Neues Testament in spezieller Übersetzung, Gesangbuch, jeweils nach Absprache mit den Beschenkten und mit Widmung, mit Taufspruch. - Krefeld
  • Die Täuflinge erhalten eine Taufurkunde, seit 1976 (wieder) eine Medaille (sie zeigt Menno Simons und das Gemeindesiegel) und seit 1999 auch eine Taufkerze. - Hamburg

    Wer wählt die Taufsprüche aus?

  • Die Taufsprüche werden meistens von den Täuflingen selber aussucht. In Ausnahmefällen auch von der Pastorin. Meistens sind es Worte aus den Psalmen oder Nachfolgesprüche aus dem Neuen Testament bzw. aus der Bergpredigt. - Emden
  • Jede/r Täufling bekommt einen Taufspruch. Manchmal sucht der Pastor ihn aus, manchmal die Täuflinge selbst. Im letzteren Fall sind Taufsprüche aus den Psalmen häufig, weil man in diesem überschaubaren Bereich (fett gedruckte Verse!) leichter suchen kann. Manchmal wählen Täuflinge auch Taufsprüche der Eltern oder andere, die ihnen "über den Weg laufen". Einzelne Sprüche, die als solche extrem häufig immer wieder kehren würden, sind mir nicht bekannt. - Hamburg
  • Als Taufspruch wird normalerweise der Bibeltext von der Predigt genommen, die unmittelbar vor der Taufe gehalten wird.- MBG Oerlinghausen
  • Den Taufspruch sucht der Pastor oder die Täuflinge selbst aus. Es wird freigestellt. Wenn die Täuflinge selbst suchen, gibt es ein Gespräch über den gewählten Spruch. Leitmotiv beim Suchen: Etwas Stärkendes, Tröstendes, Motivierendes! - Neuwied-Torney

    Welche Voraussetzungen gibt es für die Taufe?

  • Grundsätzlich sehe ich Taufe als eine Antwort des Menschen auf das Handeln Gottes und die Aufforderung zur Nachfolge. Der Wunsch, den Glauben öffentlich zu zeigen und in einem kurzen persönlichen Bekenntnis auszudrücken entspricht dieser aktiven Antwort. Dazu kommt die Bereitschaft, in der Gemeinde zu leben und mitzuarbeiten. Dies ist in der Unterweisung oder in vorbereitenden Gesprächen Thema. Nachdem sich jemand zur Taufe entschieden hat, lege ich als der Pastorin die Namen der Täuflinge dem Vorstand vor. Wenn es Unklarheiten gibt das eine Gelegenheit zu Rückfrage und Klärung. Jedoch ist es mir wichtig, Taufe als ein Fest des Anfangs im Glauben zu sehen und von daher die Messlatte nicht zu hoch zu setzen. Ich möchte Mut machen zu diesem Anfang und im Zweifelsfall auch zur Taufe. - Weierhof
  • Voraussetzung ist das Bekenntnis des Täuflings zum Glauben an Gott und Jesus Christus und seine Bereitschaft, sich in die Nachfolge Jesu Christi zu begeben. Im Prinzip entscheidet die Gemeinde, d.h. in der Praxis tut dies in ihrem Auftrag der Vorstand. Die Gemeinde wird frühzeitig über Taufwünsche informiert, um eventuelle Einsprüche vorbringen zu können. - Kohlhof
  • Als Voraussetzungen für die Taufe gilt die Widergeburt und ein "verantwortungsvolles" Alter. Die Entscheidung wird von der Gemeinde in einer Gemeindestunde getroffen, nachdem die Täuflinge ihre Zeugnisse gegeben haben. - MBG Oerlinghausen
  • Die Voraussetzung für die Taufe ist, dass ein mündiger Mensch sich von Gottes Schalom hat anrühren lassen, der uns auf einzigartige Weise in Jesus Christus entgegen kommt, weshalb der/die Betreffende Jesus Christus als uneingeschränkte Autorität seines/ihres Lebens anerkennt und sich entschieden hat, ihm (in Gemeinschaft mit Brüdern und Schwestern = Gemeinde) nachzufolgen. Diese Entscheidung ergibt sich erfahrungsgemäß aus individuellen lebensprägenden und -verändernden Gotteserfahrungen und Einsichten. Die betreffende Person teilt im Vorfeld ihren Wunsch nach Taufe mit, sie sucht bzw. bekommt eine/n Taufbegleiter/in als seelsorgerliche Begleitung zur Seite. Ein persönlichen Zeugnis in der Gemeindestunde über den eigenen bisherigen den Weg des "Jesus Christus Glaubenschenkens und Nachfolgens", das durch eine gewisse Zeit des Mitlebens in der Gemeinde belegt wird, führt zu einer Entscheidung durch die Gemeinde. Das ist immer wieder für alle Anwesenden ein beeindruckendes und gemeinschaftsförderndes Erlebnis. - Ingolstadt

    Finden “Wiedertaufen” statt?

  • Was ist Wiedertaufe??? ... Wenn ein Täufling als Baby getauft wurde, er jedoch diese Taufe nicht die für sich gültige Taufe annehmen kann, dann taufen wir ihn, und zwar gerne! Auf der anderen Seite nehmen wir Geschwister auch ohne Mündigentaufe in die Gemeinde auf, wenn sie ihre Säuglingstaufe als ihre Taufe angenommen haben. Ein maßgeblicher Grund für diese Haltung ist die Erfahrung, dass in der Vergangenheit Geschwister unserer Gemeinde getauft wurden, weil die Familie es erwartete, oder weil sich eine Gelegenheit bot, etc. Ihre Entscheidung zu einem Leben mit Jesus fällten sie jedoch erst später. Deswegen mussten sie sich jedoch nicht noch einmal taufen lassen ... Wir respektieren also das Phänomen, dass Glaube und Taufe nicht immer nacheinander stattfindet. Deshalb vertreten wir in dieser Frage einen grundsätzlich seelsorgerlichen Ansatz. - Karlsruhe-Thomashof
  • Als Gemeinde respektieren die bereits in einer anderen Kirche geschehene Taufe. Als Säugling getaufte Personen, die unserer Gemeinde beitreten wollen, werden mit Segenszuspruch im Gottesdienst begrüßt. Oft ist dies dann das Ergebnis einer längeren seelsorgerlichen Begleitung. - Weierhof
  • "Wiedertaufe" ist eigentlich ein Schimpfwort, das wir uns nicht zu eigen machen. Nach dem Hebräerbrief gibt es nur "eine Taufe". - MBG Oerlinghausen
  • Genau genommen kennen wir keine Wiedertaufe, denn Säuglingstaufe und Bekenntnistaufe basieren auf zwei grundverschiedenen Verständnissen, so dass es in gewisser Hinsicht zwei unvergleichbare Taufen sind. In die Gemeinde aufgenommen zu werden bedeutet auch, das Verständnis der Bekenntnistaufe zu teilen. Von daher wäre es logisch, in jedem Fall von Leuten, die als Säuglinge getauft wurden, die Bekenntnistaufe zu erwarten. Das tun wir aber aus seelsorgerlichen Erwägungen heraus nicht. So wie der Schritt zur Taufe individuell begründet sein muss, respektieren wir auch die mit uns erörterte und begründete Entscheidung einer als Säugling getauften Person, auf die Bekenntnistaufe zu verzichten, sie gleichwohl aber als unser gültiges Verständnis anzuerkennen. Die Erfahrung zeigt, dass sich aus der Auseinandersetzung mit dem Taufverständnis heraus die Mehrzahl zu einer Bekenntnistaufe entschlossen haben. - Ingolstadt
  • Wer in seinem Glaubensleben an einen Punkt kommt, an dem er/sie seine/ihre Taufe als Kind (Säuglingstaufe) nicht mehr akzeptiert, kann bei uns getauft werden. Für den Täufling ist das in dem Moment gar keine Wiedertaufe. - Backnang Geschwister, die aus anderen Konfessionen zu uns stoßen, entscheiden selbst, ob sie - nachdem als Baby getauft - sich als mündige Christen nun "noch einmal" taufen lassen. In unserer Gemeinde wurde und wird insofern "wieder-getauft", wir nehmen aber auch Geschwister ohne diese Taufe auf; Vorausset-zung: Bekenntnis des Glaubens und akzeptieren der Grundsätze unserer (mennonitischen) Gemeinde. - Kohlhof
  • In den vergangenen 5 Jahren gab es keine "Wiedertaufen" - ein schreckliches Wort!! Grundsätzlich geht die Tendenz hin zum Verzicht auf nochmalige Taufe bei Menschen, die als Säuglinge getauft wurden. Allerdings besteht grundsätzlich auch die Möglichkeit zur Taufe in solchen Fällen. Einer unserer ordinierten Laienprediger hat allerdings deutlich gemacht, dass er in so einem Falle eine Taufe nicht durchführen würde. - Neuwied-Torney
  • Wir erkennen die Taufe anderer Kirchen, mit denen wir in den Arbeitsge-meinschaften christlicher Kirchen zusammenarbeiten, grundsätzlich an, auch wenn es dabei um Säuglingstaufen geht. - Krefeld
  • In unserer Gemeinde wird eine früher erfolgte Kindertaufe (plus späterer Konfirmation) bei Übertritt als gültig und ausreichend akzeptiert. Wir haben auch theologische Gründe dafür, dass wir in einem solchen Fall nach Möglichkeit die betreffende Person nicht (noch einmal) taufen: Ernstnehmen der anderen Kirche und ihrer Taufform, auch wenn es nicht unsere ist. Was in einem Konfliktfall geschehen würde, wenn jemand auf einer "Wiedertaufe" besteht, weiß ich nicht; der Fall ist noch nicht vorgekommen. Vor vielen Jahren habe ich eine Frau getauft, bei der die Bedingungen besonders irregulär waren: Sie kam aus Südamerika, konnte kaum Deutsch (der Mann musste übersetzen) und es war nicht klar, ob sie als Kind - wenn, dann katholisch - getauft worden war. Offensichtlich wollte der Mann, dass die Frau mennonitisch getauft wird. Nach einigem Hin und Her habe ich dann nachgegeben und die Frau ohne weitere Fragen getauft und den Fall als "irregulär" abgebucht. - Hamburg

    Werden Kinder oder Menschen mit geistiger Behinderung getauft?

  • Was sind Kinder????? Ich habe persönlich noch niemanden getauft, der/die jünger war als 15 Jahre. Ich hätte auch Mühe damit. Sicherlich sind Einzelfälle vorstellbar. Ich habe noch nie einen geistig Behinderten Menschen getauft, könnte es mir jedoch durchaus vorstellen, das zu tun. Es käme darauf an, mit ihm im Gespräch zu sein und herauszufinden, ob er eine Beziehung zur Gemeinde hat. Das ist ein sehr interessantes und weites Feld, das wir Mennoniten dringend behandeln müssten! Wie gehen wir damit um? Wie halten wir es da mit der persönlichen Entscheidung? Wie halten wir es da mit dem Stimmrecht in der Gemeindeversammlung? Daran muss man unbedingt weiterarbeiten. - Neuwied-Torney
  • Nein. Mir hat sich die Frage noch nicht gestellt. Eine Taufe, die ich gemacht habe, könnte man von Ferne in dieser Perspektive sehen, aber das wurde nicht als Problem empfunden. Es gab vor Jahren den Fall eines behinderten Sohnes eines Gemeindeglieds, der in den Alsterdorfer Anstalten lebte und dort konfirmiert wurde. Ob dahinter die Weigerung des früheren mennonitischen Pastors stand, den Behinderten zu taufen, ist mir nicht bekannt. Ich würde in diesem Fall eine Taufe nach Möglichkeit vollziehen, wenn die Umstände einigermaßen dafür sprechen, und in einem solchen Fall nicht auf intellektueller Leistung als Voraussetzung bestehen. - Hamburg
  • Eine Taufe von Geistig-Behinderten würde ich befürworten, wenn die Person in der Lage ist, den Wunsch nach der Taufe auszudrücken (siehe Voraussetzungen). Meines Wissens gab es hier so etwas noch nicht. Eine Kindertaufe kommt für mich nicht in Frage. - Weierhof
  • Wir sehen in der Mündigkeit eines Menschen eine biblisch begründete Voraussetzung, weshalb wir keine Kinder taufen. Mündigkeit verstehen wir als die Fähigkeit, selbstverantwortlich leben und die Bedeutung einer Verpflichtung oder Verantwortung einer Entscheidungen zu erkennen oder zu tragen zu können. Dies trifft grundsätzlich auch auf geistig Behinderte zu, muss aber in besonderen Fall geprüft werden wie uns der Taufwunsch einer behinderten jungen Frau uns vor einiger Zeit in einem nicht konfliktfreien Entscheidungsprozeß gelehrt hat. Einwände und Bedenken aus der Sicht der Lehre bedeuten keine Ablehnung eines geistig-behinderten Menschen oder dessen Ausgrenzung vom Glauben geschweige denn vom Heil Gottes, da wir die Taufe ja nicht als Mittel zum Heil oder als Zugang zum Glauben verstehen. Mit folgender Begründung trafen wir dann die Entscheidung, sie zu taufen: "Ihre Glaubensentscheidung und Taufwunsch sind eingebettet in das Zeugnis und das Mitleben ihrer Familie und der Gemeinde. Das nehmen wir ernst. Sie hat sich bisher, und wird sich zukünftig, im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten einbringen und auf ihre Weise ausdrücken, dass sie Jesus vertraut und zu uns als Gemeinde gehört. Ihre Behinderung, die sie sehr wohl auch als leidvolle Erfahrung und Begrenzung wahrnimmt soll dabei kein Hindernis sein. Dies mit der Taufe zum Ausdruck zu bringen wollen wir ihr nicht verweigern. Ihr als geistig behindertem Menschen werden wir nur gerecht, wenn wir ihre Taufe auch mit der kontinuierlichen Begleitung durch dazu berufene Geschwister aus unserer Gemeinde verbinden. Sie braucht (wie wir alle) - über ihre Familie hinaus - Menschen, die ihr auf ihrer Ebene begegnen, und wir wollen ihr gegenüber unsere (geistliche) Verantwortung wahrnehmen. Ihre Gemeindemitgliedschaft, die mit der Taufe erfolgt, wird sie ihren Möglichkeiten entsprechend leben und sich einbringen, wozu sie in der Lage ist. Die Entscheidung, sie zu taufen bedeutet für uns keine Grundsatzentscheidung für die Taufe von unmündigen Menschen. Sie war lediglich unsere Antwort, in dieser besonderen Situation unter Beachtung der biblischen Lehre mit diesem besonderen Menschen innerhalb unserer Gemeinde verantwortungsvoll und geschwisterlich umzugehen." - Ingolstadt

    Wie wird die Taufe gefeiert?

  • Es ist ein Gemeindefest, weil die Taufe Aufnahme in den Leib Jesu bedeutet, der durch die örtliche Gemeinde repräsentiert wird. Deshalb feiert die ganze Gemeinde das Ereignis nach dem Gottesdienst mit einem gemeinsamen Essen. - Ingolstadt
  • Gefeiert wird familienweise. - MBG Oerlinghausen
  • Die meisten der Täuflinge verstehen ihre Taufe in erster Linie als Gemeinde-fest und laden dazu noch enge Freunde und Verwandte ein. - Karlsruhe-Thomashof
  • Teils - teils. In der letzten Zeit, besonders wenn eine größere Gruppe getauft wurde, wurde manchmal auch ein gemeinsames Mittagessen organisiert. Es gibt nach meinem Urteil aber eine gewisse Tendenz dazu, die Feier als eine individuelle und/oder familiäre anzusehen. - Hamburg
  • Wir fördern den Gedanken des Gemeindefestes, z.B. durch ein gemeinsames Kaffeetrinken nach dem Gottesdienst. Danach feiern die Täuflinge individuell mit Freunden und Familie weiter. - Weierhof
  • Meist als individuelles Fest in Familien. Versuche, es anders zu machen, waren bisher nicht erfolgreich. - Krefeld
  • Taufe ist Gemeindefest- so beteiligt sich die Gemeinde bei diesem Fest und dessen Vorbereitung. - Kohlhof
  • Die Taufe wird in einem festlich gestalteten Gottesdienst vollzogen, in dem in der Regel auch das Abendmahl gefeiert wird. Danach feiern die Familien privat, es kommt aber oft auch vor, dass es dann gar keine besondere Feier gibt, vor allem wenn die Täuflinge schon älter sind. - Neuwied-Torney

    Die AutorInnen aus den Gemeinden:
    Mennonitengemeinde zu Hamburg und Altona: Peter J. Foth, Mennonitengemeinde zu Emden: Katharina Genßler, Mennonitengemeinde Backnang: Lutz Heidebrecht, Mennonitengemeinde Karlsruhe-Thomashof: Wilhelm Unger, Evangelische Mennonitengemeinde Neuwied-Torney e.V.: Rainer Burkart, Ev. Mennonitengemeinde zu Norden: Hubert Bleu, Mennonitengemeinde Kohlhof: Matthias Stützel, Mennonitengemeinde Weierhof: Andrea Lange, Ev. Freikirche Mennonitengemeinde Ingolstadt: Frieder Boller, Mennonitengemeinde Stuttgart: Volker Haury, Mennonitengemeinde Frankfurt: Reinhard Rupp, Mennoniten Brüdergemeinde Oerlinghausen

    Links zu den Homepages der befragten Gemeinden finden sich hier

    Zusammengestellt und leicht gekürzt von Andreas Tyart und Gerrit Wiebe


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