Islam

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    Fundamente des Islam

    Den Islam verstehen: Mit einem Blick in den Koran

    Den Islam kann man nicht in einem Artikel der jg erklären oder darstellen. Was wir aber können, tun wir.
    Angesichts fanatischer (so genannter) "Islamisten" stehen wir zwar mit offenem Mund vor dem Islam, aber nicht unbedingt mit offenem Herzen. Und doch lesen wir überall: "Diese extreme Minderheit besteht gar nicht aus echten Muslimen, sie missbraucht nur eine religiöse Schablone für ursprünglich politische Ziele." Ob man diesen Kampf als Terrorismus oder als Befreiungskampf von westlichen Unterdrückern definiert, ist im Grunde genommen eine Frage des Blickwinkels. Gewalt als Mittel zur Durchsetzung politischer oder religiöser Ziele führt letztlich nur zu Situationen wie in Israel/Palästina. Und wir MennonitInnen haben ja schon gleich gar nichts Gewalt am Hut.

    Sind wir damit "fein raus"? - Natürlich nicht, denn wenn wir wahre Friedensstifter sein wollen, muss dies heißen, nicht nur friedlich zu sein, sondern (nicht nur dem Wort nach) andere zum Frieden anzustiften. Dass kann nur funktionieren, wenn wir die Anderen verstehen. Wer sein Herz beim Wort "Islamist" bereits verschließt, verbaut sich eventuell bereits jeden Zugang zum Muslim im eigenen Stadtteil. Jede "fremde" Gemeinschaft hat mit Vorurteilen zu kämpfen. Auch das sollte uns MennonitInnen geläufig sein: Fast jeder TV-Reportage und nahezu jeder Zeitungsartikel begreift die Mennoniten als Gemeinschaft mexikanischer Alt-Kolonier... doch wir wissen es besser. Mennos sind vielfältig, jedem von uns sind Teile der eigenen Konfession fremd. Um wie viel vielfältiger also muss eine Religion wie der Islam sein. Verrückte und Freunde gibt es in jeder Gemeinschaft.

    Um die Vorstellungen vom Islam etwas zu erweitern, oder besser noch auf ein festeres Fundament zu stellen, drucken wir einige der wichtigsten Stellen aus dem Koran ab. Auch hier gilt ähnliches wie beim Bibel-Konsum: Für vieles bieten die Worte Raum für Interpretation -aber nicht alles ist im Geist der Schrift wirklich gemeint.

    Gerrit Wiebe

    Ausgewählte Koranverse (Übersetzung F. Rückert)

    Der Beginn der Offenbarung des Islam

    Wir sandten ihn hernieder in der Nacht der Macht. Weißt du, was ist die Nacht der Macht? Die Nacht der Macht ist mehr, als was in tausend Monden wird vollbracht. Die Engel steigen nieder und ihr Geist in ihr, auf ihres Herrn Geheiß, das Alles sei bedacht. Heil ist sie ganz und Friede, bis der Tag erwacht.
    Sure 97

    Die Fatiha

    Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen! Lob sei Allah, dem Weltenherrn, dem Erbarmer, der Barmherzigen, dem König am Tag des Gerichts! Die dienen wir und zu dir rufen um Hilfe wir. Leite uns den rechten Pfad, den Pfad derer, denen du gnädig bist, nicht derer, denen du zürnst, und nicht der Irrenden.
    Sure 1

    Die Fatiha steht am Anfang des Korans und hat als schlichtes Gebet für Muslime in etwa dieselbe Bedeutung wie das "Vater unser" für Christen. Sie wird von gläubigen Muslimen mehrmals täglich gebetet.

    Die Reinigung

    Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen! Sprich: Er ist Gott, der eine, der ewige Gott; Er hat nicht gezeugt und ist nicht gezeugt worden Und keiner ist ihn gleich.
    Sure 112

    Dies ist der Abschluss des eigentlichen Korans. Dieses Bekenntnis zur Einzigkeit Gottes ist laut Mohammed soviel wert wie ein Drittel des restlichen Korans - und steht in klarer Abgrenzung zur christlichen Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes.

    Der Thronvers

    Allah, es gibt keinen Gott außer ihm, dem Lebendigen, dem Ewigen! Nicht ergreift ihn Schlummer und nicht Schlaf. Sein ist, was in den Himmeln und was auf Erden. Wer istīs, der da Fürsprache einlegt bei ihm ohne seine Erlaubnis? Er weiß, was zwischen ihren Händen ist und was hinter ihnen, und nicht begreifen sie etwas von seinem Wesen, außer was er will. Weit reicht sein Thron über die Himmel und die Erde und nicht beschwert ihn beider Schutz. Denn er ist der Hohe, der Erhabene.
    Sure 2, 256

    Eine der berühmtesten Suren des Korans fasst zusammen was Muslime von Gott glauben.

    Freiheit der Religion

    Es gibt keinen Zwang im Glauben.
    Sure 2, 257

    Dschihad - Krieg und Anstrengung

    Und bekämpft für Gottes Sache diejenigen, die euch bekämpfen. Doch überschreitet nicht das Maß. Gott liebt nicht die Maßlosen. Und erschlagt sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie von dort, von wo sie euch vertrieben haben. Denn Verführung ist schlimmer als Totschlag... Bekämpft sie, bis die Verführung aufgehört hat und der Glaube an Gott da ist.
    Sure 2, 186-189

    Wer das irdische Leben verkauft für das Jenseits, der soll kämpfen auf Gottes Weg. Und wer kämpft auf Gottes Weg, sterbe er oder siege er, wahrlich dem geben wir im Jenseits gewaltigen Lohn.
    Sure 4, 76

    Wörtlich ist Dschihad nicht mit "Heiligem Krieg", sondern mit "Anstrengung/Bemühung" zu übersetzen und meint die Forderung sich auf dem Weg Gottes anzustrengen oder sich für die Sache Gottes einzusetzen. Dies kann also auch heißen, gegen die eigenen Schwächen zu kämpfen. Aber der Dschihad kann (!) eben auch eine gewalttätige Sache sein - heutzutage meist verstanden als Abwehrreaktion gegen eine Bedrohung der islamischen Gemeinschaft.

    Saum - Das Fasten

    O ihr, die ihr glaubt, vorgeschrieben ist euch das Fasten, wie es den Früheren vorgeschrieben war; vielleicht werdet ihr gottesfürchtig. Der Monat Ramadan, in welchem der Koran herabgesandt wurde als eine Leitung für die Menschen und als Zeugnis der Leitung und Unterscheidung - wer von euch den Mond sieht, der beginne das Fasten in ihm. Wer jedoch krank ist oder auf einer Reise, der faste die gleiche Anzahl anderer Tage. Gott wünscht es euch leicht und nicht schwer zu machen.
    Sure 2, 179.181

    Das Fasten erinnert die Muslime an die Offenbarung und wird mit einem großen Fest beendet. Nach Sonnenuntergang darf gegessen und getrunken werden - sonst nicht.

    Der Schleier

    Und sprich zu den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke niederschlagen und ihre Scham hüten und dass sie nicht ihre Reize zur Schau tragen, es sei denn, was außen ist, und dass sie ihren Schleier über ihren Busen schlagen und ihre Reize nur ihren Ehegatten zeigen oder ihren Vätern oder den Vätern der Ehegatten oder ihren Söhnen oder den Söhnen ihrer Ehegatten oder ihren Brüdern oder den Söhnen ihrer Brüder oder den Söhnen ihrer Schwestern oder ihren Frauen oder denen, die ihre Rechte besitzen, oder ihren Dienern, die keinen Trieb haben, oder Kindern, welche die Blöße der Frauen nicht beachten.
    Sure 24,31

    Frauen

    Siehe, ich lasse nicht unbelohnt die Taten von Euch verloren gehen, sei es, dass ein Mann oder eine Frau sie begangen hat. Die einen von euch sind doch Teil von den anderen.
    Sure 3, 193

    Die Männer sind den Frauen überlegen wegen dessen, was Gott den einen vor den anderen gegeben hat, und weil sie von ihrem Geld (für die Frauen) zahlen. Die rechtschaffenen Frauen sind gehorsam und sorgsam in der Abwesenheit ihrer Gatten, wie Gott für sie sorgte. Diejenigen aber, für deren Widerspenstigkeit ihr fürchtet - warnt sie, verbannt sie in die Schlafgemächer und schlagt sie. Wenn sie euch gehorchen, so sucht keinen Weg gegen sie.
    Sure 4, 2-3.38

    Mahnung zur Verantwortung und Vorbestimmung

    Siehe, Gott gebietet Gerechtigkeit zu üben, Gutes zu tun und die Verwandten zu beschenken und er verbietet das Schändlichen und Schlechte und Gewalttat. Er ermahnt euch, auf dass ihr es zu Herzen nehmt.
    Sure 16, 92

    Wen Gott will, den leitet er irre, und wen Gott will, den führt er auf den rechten Pfad ... Und wen Gott leiten will, dem weitet er seine Brust für den Islam, und wen er irreführen will, dem macht er die Brust knapp und eng, als wollte er den Himmel erklimmen. Also straft Gott die Ungläubigen.
    Sure 6, 39.125

    Nimmer trifft uns etwas anderes, als was Gott uns bestimmt.
    Sure 9,51

    Das Paradies

    In den Gärten der Wonne... Auf durchwobenen Polstern, sich lehnend auf ihnen einander gegenüber. Die Runde machen bei ihnen unsterbliche Knaben mit Humpen und Eimern und einem Becher von einem Born. Nicht sollen sie Kopfweh von ihm haben und nicht das Bewusstsein verlieren. Und Früchte, wie sie sich erlesen, und Fleisch von Geflügel, wie sieīs begehren, und großäugige Huris gleich verborgenen Perlen als Lohn für ihr Tun. Sie hören kein Geschwätz und keine Anklage der Sünde. Nur das Wort: "Frieden, Frieden!"
    Sure 56, 11-12.15-25


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