Mennonitische Europäische Regional Konferenz 2000
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    betr. Homosexualität

    Das heimliche Hauptthema der Mennonitischen Europäischen Regionalkonferenz in Ludwigshafen

    Die MERK stand unter dem Thema "Gottes weiter Raum - Shalom". Exemplarisch für die vielen Artikel in der jg-Sondernummer haben wir ein viel diskutiertes Thema für für die jg-Website heraus gegriffen: Homosexualität. Hier drei Beträge zu einem der vielen Themen der MERK.

    Mit dem Rückzug aus der Vorbereitung und Durchführung der MERK machte die französische mennonitische Konferenz das Thema einiger weniger Workshops zu dem heimlichen Hauptthema. Die Angst vor der Auseinandersetzung mit Homosexualität führte erst zu einer intensiveren Beschäftigung damit. Die wenigen französischen Geschwister auf der MERK wurden zum Trotz mit besonders großem Applaus begrüsst.
    In thematisch völlig unterschiedlichen Workshops wurde immer wieder auch dieses Thema angeschnitten. Die Wortmeldungen in den Workshops, die sich explizit mit Sexualität befassten, machten eins deutlich: die Vorstellung von nur konservativen Franzosen und ausschließlich liberalen Niederländern und Deutschen ist ein Zerrbild.
    Bernhard Thiessen machte in seinem Workshop deutlich, dass auch wir MennonitInnen nicht von unserem sozialen Umfeld isoliert leben. So spiegelt sich der gesellschaftliche Mainstream der verschiedenen Nationen auch in der MennonitInnenschaft wider. Der Grad der Engstirnigkeit "bei uns" ist dem unseres Heimatlandes sehr ähnlich.
    Die deutschen MennonitInnen haben sicher keine Vorreiterrolle im offenen Umgang mit verschiedenen Lebensformen. Ein Thema an dem Nächstenliebe wirklich konkret werden muss.
    Gerrit Wiebe

    Wege aus der Homosexualität!?
    Ein Kommentar zu einem Workshop

    Herr Veser teilte in seinem Vortrag über die Möglichkeiten Homo- zu Heterosexuellen zu therapieren, alle Homosexuellen in vier Gruppen ein. Unter "nicht mehr zu rettenden" und "eigentlich gar nicht homosexuellen" kam dann eine Gruppe von Schwulen hervor, welche zwar normal werden wollten, aber es trotz geistlicher Therapien nicht konnten. So meinte Herr Veser vor, dass wenn ein Mensch nur fest genug daran glaubt, er von Gott (für den laut Veser Homosexualität eine Sünde ist) den richtigen Weg gezeigt bekommen kann - und wieder zurück zum Ursprung gelangen kann.
    Sollte es trotz einer Therapie nicht gelingen Schwule oder Lesben wieder normal zu zaubern, so bleibe ihnen immer noch die Möglichkeit in Abstinenz zu leben. Denn, hier beruft sich Veser auf eine nicht näher erläuterte "Studie", ein Mensch, der nicht an Sex denkt, will keinen - und wird auch nicht krank davon. Dabei verweist Veser auf Nonnen und Mönche.
    Nach einer Stunde und zehn Minuten ging das Wort ans Publikum - nur wenige Meldungen später war die Diskussion beendet. Herr Veser war der Meinung, es wäre doch schön "endlich aus diesem stickigen Raum herauszukommen".
    Ich habe diesen Workshop besucht, weil ich nicht glauben konnte, dass es tatsächlich einen Menschen geben kann, der wirklich etwas zu der "Heilungschancen von Homosexuellen" zu sagen hat und daran auch glaubt. Ich wurde eines Besseren belehrt. Trotzdem bin ich froh, dass darüber geredet wurde.
    Ich werde niemals einen Menschen verstoßen, weil er schwul, oder lesbisch ist - wenn ihn genau das glücklich macht. Wir leben nicht mehr 2000 vor, sondern 2000 nach Christus - auch wenn es einigen nicht passt: die Zeiten ändern sich. All you need is love!
    Eva Narewski

    BeMERKungen
    Was halten Sie davon, dass das Thema Homosexualität auf der MERK behandelt wurde?

    Den Workshop mit dem Namen "Wege aus der Homosexualität" finde ich völlig überflüssig, weil das heutzutage überhaupt nicht mehr zeitgemäß ist. Aber ich bin hier auf der MERK ganz fröhlich!
    Benjamin Mast

    Das ist etwas schwierig. Ich selbst finde es gut, dass es behandelt wird. Weil man aber schon gewusst hat, dass die Franzosen große Schwierigkeiten mit diesem Thema haben, habe ich gemischte Gefühle. Froh bin ich darüber, dass trotzdem ein paar Franzosen mit dabei sind.
    Fred Kempel

    I don't think, it should be ignored, because it's in our churches and it's a sin that people struggle with and I think, as a christian family and as Mennonites, we have a duty to respond in an christian manner… a question, that has to be dealt with - probably.
    Elaine Froese

    Die einen nennen das ein Problem, die anderen eine Lebenseinstellung. So lange man nicht darüber redet, wird kein Problem gelöst. Ich denke, man muss seinen Horizont öffnen und klar machen, dass jeder sein Leben so gestalten kann, wie er es mag.
    Doro Harder


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