Heirat - Scheidung

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    Nicht erst in der Hose!

    Eine Auseinandersetzung mit Mt 5, 27 bis 32 von Lutz Heidebrecht

    27 Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen. 28 Ich aber sage euch, daß jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begehren, schon Ehebruch mit ihr begangen hat in seinem Herzen. 29 Wenn aber dein rechtes Auge dir Anlaß zur Sünde gibt, so reiß es aus und wirf es von dir; denn es ist besser, daß eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. 30 Und wenn deine rechte Hand dir Anlaß zur Sünde gibt, so hau sie ab und wirf sie von dir; denn es ist dir besser, daß eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. 31 Es ist weiter gesagt: Wer seine Frau entlassen will, gebe ihr einen Scheidebrief. 32 Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlassen wird, außer auf Grund von Hurerei, macht, daß sie Ehebruch begeht; und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch. (EÜ)

    Drum prüfe ewig, wer sich bindet..." haben die Jünger wohl gedacht, als sie Jesus zu dem Thema Ehe, Ehebruch und Scheidung gehört haben. Besser, man zettelt nichts mit den (damals) langhaarigen Wesen an (Matthäus 19,10!). Dabei war Ehe Gottes Idee. Was am Anfang noch das Prädikat "sehr gut" bekam, scheint durch und durch kompliziert geworden zu sein. Auch in unserem Umfeld und in den Gemeinden ist das Thema ´Ehe´ oft alles andere als einfach. Ein Beispiel: Eine junge Frau reißt sich mit 18 von den Eltern los und steht bereits mit 21 vor dem Trümmerhaufen ihrer jungen Ehe. Sie ist am Ende und ihr Mann vorbestraft.

    Mit der Bibel gegen Scheidung?

    Dann erlebt sie Gottes vergebende Liebe und möchte noch mal ganz neu anfangen. Unter welchen Umständen darf sie sich von ihrem Mann trennen? Ist eine spätere Heirat damit für immer ausgeschlossen? So mancher sucht in der Bibel eine einfache und klare Lösung. Ist man dann biblisch, wenn man Scheidung und Wiederheirat grundsätzlich ablehnt? Müssen wir die biblischen Texte wie ein Jurist auf "Gesetzeslücken" abklopfen, um unsere Praxis rechtfertigen zu können? Wer eine Antwort zum Thema "Wiederheirat von Geschiedenen" sucht, ist bei diesem Text hier in Mt 5 falsch. Ein Gespräch zwischen Jesus und den Pharisäern in Mt 19,1ff ist da eher zutreffend. Hier in Matthäus 5 geht es um Ehebruch. Im Rahmen der bekannten Hügelbotschaft spricht Jesus über verschiedene alttestamentliche Gebote. Seine Rede gilt wohl in erster Linie seinen Jüngern (5,1+2). Wie auch bei den anderen Geboten, setzt Jesus hier einen drauf: "Ich aber sage euch..." Damit meint er wohl nicht: Vergeßt alles, was ihr bisher geglaubt habt, es war falsch! Er scheint eher etwas zurechtzurücken, was aus dem Rahmen gefallen ist. Es ist eindeutig, daß man zur Zeit des Neuen Testaments sehr darum bemüht war, die 10 Gebote richtig auszulegen. Die Spezialisten dafür standen aber in der Gefahr, sie zu Gummiparagraphen zu machen, wie die Formulierung der Frage in Mt 19,3 erkennen läßt. Jesus macht klar, daß es nicht um blöde Verbote geht. Er möchte den tieferen Sinn wieder freilegen. Im Falle des Ehebruchs betreibt er ein doppeltes "lifting". Er verschiebt den 'Tatort des Ehebruchs' zweimal nach oben, einmal um 50 cm (Herz) und dann nochmals um 35 cm (Auge). Ehebruch beginnt für ihn nicht unter der Gürtellinie. Für ihn ist nicht nur der ein Sünder, der beim Blutspenden ankreuzen muß: "Person mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern". Für ihn beginnt Ehebruch im Herzen (V.28). Das ausführende Organ ist dabei nicht in der Hose zu suchen, sondern im Gesicht (V.29)! Gilt das heute noch, oder ist es dem Menschen dank der Evolution gelungen, sich weiter zu entwickeln? Hand aufs Herz, Männer! Nichts hat sich entwickelt. "Männer sind Schw..."-ache Wesen. Und das wissen nicht nur wir, sondern auch alle Werbemanager, die irgend ein Produkt auf dem Markt verkaufen müssen. Unsere Sinnesorgane lassen sich, so scheint es mir, wie mein Drucker in mind. zwei Stufen einstellen: Druckqualität "Entwurf" oder "sehr gut". Meine Ohren können hören oder sehr genau hinhören, mein Mund kann einfach reden oder er kann sehr spitz formulieren, meine Augen können hinschauen oder eben HINSCHAUEN. Es gibt die Möglichkeit, andere Menschen mit den Augen auszuziehen (was da manchmal noch geblieben ist) oder dankbar zu sein für die gute Schöpfung Gottes. Das ist, nebenbei gesagt, natürlich auch eine Frage der Kleidung. Wie ernst es Jesus mit unseren Blicken ist, zeigt seine Aufforderung zur Selbstverstümmelung in V. 29. Diesem Aufruf kannst du maximal zwei mal folgen! (Dann mußt du leider auch die "jg" abbestellen!) Aber wäre das Problem gelöst, wenn wir uns die Augen ausreißen? Nein, ist ja klar, und das weiß Jesus natürlich auch, denn die Augen sind nur ausführende Organe der Schaltzentrale "Herz". Aber für ihn scheint ebenso klar zu sein, daß mit der Kontrolle der Augen auch die Reinheit des ganzen Körpers auf dem Spiel steht. Ein Kapitel weiter (6,22+23) sagt er, daß unsere Augen darüber entscheiden, ob es in uns hell oder dunkel ist. Es geht also um das Innere des Menschen. Die wahre Schönheit des Menschen kommt eben doch von innen!!!

    Im Innern bricht etwas

    Und genau dieser innere Teil des Menschen leidet ja am Ehebruch. Das Problem einer Scheidung ist ja nicht, kein Gold mehr am Finger zu haben. Da bricht etwas. Es bricht etwas ab, im schlimmsten Fall zerbricht etwas. Die innere Haltung, die Einstellung, entscheidet darüber, ob (m)eine Ehe porös wird und zerbröckelt oder aufgebaut wird. Also ihr lieben Menschen, reißt euch zusammen, zeigt guten Willen, bemüht euch und bleibt sauber, dann klappt´s! - So ein Quatsch! Nichts kriege ich geregelt und das harte Urteil über die Ehebrecher in 1. Kor 6,9 würde mich gnadenlos treffen, wenn, ja wenn da nicht Jesus wäre, der für Sünder am Kreuz verreckt ist und ihnen deshalb ihre Schuld vergeben kann - auch Ehebruch und Scheidung! Und Scheidung hat immer mit Sünde zu tun. Jesus macht aber deutlich, daß die rechtliche Scheidung nicht der eigentliche Ehebruch ist. Der fängt früher an, mit jeder Lieblosigkeit in der Ehe, ja sogar schon bei meinem Verhalten vor der Ehe. Für eine spätere Ehe lohnt es sich, Treue und Selbstbeherrschung, die als Früchte des Geistes Gottes gelten (Gal 5,22), mit Gottes Hilfe schon vorher zu üben. Das ist keine Garantie für eine gute Ehe, aber eine gute Startposition.

    Jesus stellt mit seinen Aussagen ganz klar den Zusammenhang zum 10. Gebot (du sollst nicht begehren...) her. Er weiß, daß der Zwang, haben zu müssen, hinsehen zu müssen, begehrt werden zu müssen, uns letztlich einengt, beherrscht und kaputt macht. Sein Ziel mit uns heißt aber Leben. "Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und Überfluß haben." (Joh 10,10) Leben in vollen Zügen mit Qualität. Persönlichkeiten, die reifen und sinnvolles Leben erleben. Ehen, die ein Fundament haben. Ehepartner, die sich gegenseitig vergeben können, weil ihnen selber von Gott vergeben wurde. Familien, die in der gesunden Spannung von Harmonie und Auseinandersetzung gedeihen und nicht am Ehe-Bruch zerbrechen. Jesus nimmt uns ernst und macht uns Mut zum Leben!

    Lutz Heidebrecht (verheiratet)


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