Friedensarbeit

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    In Jesus ist die Gewalt überwunden

    Ein Bericht von der DMFK-Mitgliederversammlung 2001

    Das Deutsche Mennonitische Friedenskomitee (DMFK) traf sich vom 16. - 18. 2. 2001 in den Räumen der Mennonitengemeinde Enkenbach zu seiner Mitgliederversammlung 2001.

    Der Freitagabend gehörte den Berichten aus Gemeinden und Organisationen. Am Samstag folgte die Geschäftssitzung mit ihrer wie immer übervollen Tagesordnung. Die Berichte von Hans Jakob Galle (DMFK-Ausschuss) und Wolfgang Krauß (Friedensarbeiter) machten deutlich, dass es auch im Friedenskomitee Meinungsverschiedenheiten und Kon-flikte gibt. Der leitende Ausschuss hat sich solchen internen Konflikten in einer fachlichen Supervision durch einen Organisations- und Gemeindeberater gestellt. Der Beratungsprozess soll darüber hinaus helfen, strukturelle und inhaltliche Fragen zu klären.

    Die "Dekade zur Überwindung von Gewalt"

    Die "Dekade zur Überwindung von Gewalt" wird im DMFK unterschiedlich eingeschätzt. Die Bandbreite reicht von Begeisterung bis Skepsis. - Wie Wolfgang Krauß berichtete, konnten Fernando Enns und andere auf der Tagung des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) Anfang Februar 2001 in Berlin die Verabschiedung eines Kriterienkataloges zur Anwendung von Gewalt bei humanitären Einsätzen nur mit Mühe verhindern. Die ausgefeilten Kriterien hätten eine Neuauflage der Lehre vom gerechten Krieg bedeutet. Und das am Vorabend der offiziellen Eröffnung der Dekade zur Überwindung von Gewalt! Trotz der herzlichen Einladung des ÖRK an die historischen Friedenskirchen, ihre Erfahrungen in DÜG einzubringen, gibt es noch manche Verstehenshindernisse zu überwinden. Eine friedenskirchliche Position wird kaum anders können als auf andere herauszufordern zu wirken. Zu unterschiedlich sind die Denkvoraussetzungen: Steht im Zentrum der Sozialethik die Nachfolge Jesu oder eher die Notwendigkeiten des Staates? Das DMFK wird eine Gemeindehandreichung erarbeiten. Sie wird neben biblisch-theologischem Material, täuferische Perspektiven, praktische Anregungen und Projektbeispiele enthalten.

    Ein von DMFK und Versöhnungsbund gemeinsam geplantes Seminar beschäftigt sich im März 2001 mit der Rechtfertigung staatlicher Gewalt in der großkirchliichen Lehre von der Confessio Augustana bis heute. Der Versöhnungsbund engagiert sich im Rahmen der Dekade dafür, die historischen Verurteilungen von pazifistischen Christen (Täufern) öffentlich bewusst zu machen und in lokalen "Geschichtswerkstätten" auf diese vergessenen Märtyrer hinzuweisen. Davon werden starke Impulse für das heutige Friedenszeugnis erwartet.

    Bisher gibt es keine Arbeitsebene, auf der in Deutschland Mennoniten kontinuierlich friedenstheologisch gearbeitet haben. Das DMFK möchte daher einen friedenstheologischen Arbeitskreis konstituieren. Er soll offen sein für Mitarbeitende aus allen mennonitischen Gruppierungen.

    Zukunftswerkstatt und Besuchsprozess

    Eine DMFK-Klausurtagung hatte im Oktober 2000 als Zukunftswerkstatt nach "Vision, Strukturen, Konzepten der Friedensarbeit" gefragt. Die MV plante nun weiter an dem dort entstandenen anspruchsvollen Vorhaben. Von Herbst 2001 bis Herbst 2002 soll eine Besuchsserie durchgeführt werden. In ihrem Verlauf sollen alle AMG-Gemeinden und andere, die Kontakt zum DMFK haben, besucht werden. Der Besuchsprozess wird derzeit geplant. Mitarbeitende sollen bis Mitte 2001 geworben und in entsprechenden Schulungen vorbereitet werden.

    Traditionell waren Mennoniten zwar als "nüchterne" Leute bekannt. Die DMFK-Herbsttagung (23.-25.11.2001 auf dem Thomashof) soll jedoch Gelegenheit bieten, mal so richtig zu feiern, und zwar Gottes Frieden. Über eine Spiritualität des Schalom soll nicht nur nachgedacht, sie soll auch praktisch eingeübt werden. Die Referentin, Anne Wilkinson-Hayes, kommt aus dem englischen Baptismus, engagiert sich im interkonfessionellen "Anabaptist Network" und beteiligt sich am Aufbau des täuferisch geprägten Gemeinschafts- und Trainingsnetzes "Table Life".

    Friedensdienst auf dem Balkan

    Die zusammen mit dem Hilfswerk getragenen eigenen Projekte sind zwar seit Mai 2000 beendet. Doch wollen wir nach Möglichkeit weiter Friedensprojekte anderer Träger unterstützen. Im August 2000 konnte Wolfgang Krauß auf einer Kosovo/a-Reise Einsatzmöglichkeiten für Freiwillige erkunden. In der zwischen Serben und Albanern geteilten Stadt Mitrovica im Norden der Provinz suchen Peter und Maria Hoffmann für ihre Wiederaufbauarbeit Bauhelfer für Wochen oder Monate. Auch langfristige Mitarbeiter werden für einen ganzheitlichen missionarischen Dienst gesucht. - In Dragasch, im äußersten Süden, werden für ein Jugend- und Begegnungszentrum Freiwillige gesucht. Für Dragasch konnten wir behilflich sein bei ersten Schritten zu einer Dreiecks-Partnerschaft mit Bammental und seiner französischen Partnergemeinde Vertus. Für die lokale mennonitische Gemeindearbeit und für unsere öffentliche Wahrnehmung ist das Einbringen der DMFK-Balkankontakte und -erfahrungen ein wichtiger Beitrag. Der Bammentaler Gemeinderat gab einen Reisekostenzuschuss. Für die Projektarbeit bewilligte er eine Summe von 10.000 DM. - Möglicherweise gelingt es auch, einen Kosovoflüchtling aus dem Volk der Roma/Aschkali in eine Ausbildung für "Fachkräfte in ziviler Konfliktbearbeitung" zu vermitteln. - Außer dem schon "traditionellen" Engagement auf dem Balkan beschäftigte sich die MV mit der schwierigen Lage von Menschenrechtlern, darunter ein mennonitischer Pastor in Kolumbien, und den Möglichkeiten der Unterstützung von Versöhnungsarbeit in Korea, Indonesien und Ost-Timor.

    Kriegsdienstverweigerung

    Des weiteren ging es um die Lage der Kriegsdienstverweigerer und Zivil-dienstleistenden. Kontrovers diskutiert wurde die "Aktion Zeitgewinn", die den Wehrpflichtigen empfiehlt, erst dann zu verweigern, wenn sie einberufen werden. Damit würde ein Zeichen gegen die Wehrpflicht gesetzt, da zur Bundeswehr wesentlich weniger Wehrpflichtige einberufen werden als zum Zivildienst. Wird man wider Erwarten doch einberufen, so lässt sich der vorbereitete (!) KDV-Antrag innerhalb 72 Stunden immer noch stellen.

    Finanzen und Personal

    Die Finanzen konnten für 2000 gut abgeschlossen werden. Lange diskutiert wurde das Budget 2001. Enthält es doch Mehrausgaben für eine weitere Stelle im Bammentaler DMFK-Büro, Bisher gibt es dort die 75%-Stelle des Friedensarbeiters und eine Freiwilligenstelle, auf der von Oktober 2000 bis Januar 2001 Leonie Wiens vor allem an der Katalogisierung der DMFK-Bibliothek und -Medien arbeitete. Die MV beschloss, auf die Anstellung einer zusätzlichen 50%-Kraft ab September 2001 hinzuarbeiten. Damit sollen mehr Teamarbeit und eine stärkere Kontinuität ermöglicht werden. Schwer-punkt der neuen Stelle sollen Mediation und Konfliktlösung sein. - Auch für die Freiwilligenstelle wird ein neuer Mitarbeiter oder Mitarbeiterin gesucht.

    Gerechter Friede - katholische Kirche "fast" Friedenskirche

    Am Samstagabend hörten wir einen überaus spannenden Vortrag von Dr. Thomas Nauerth. Er ist katholischer Theologe in Bielefeld und arbeitet im Vorstand des Versöhnungsbundes mit. Thomas stellte uns die Grundzüge des neuen katholischen Bischofswortes "Gerechter Friede" vor. Im biblisch-theologischen Teil wird in Formulierungen, die starke Anklänge an die auch in mennonitischen Kreisen icht unbekannten katholischen Exegeten Norbert und Gerhard Lohfink zeigen, eine biblische Theologie des Gottesvolkes als Kontrastgesellschaft entwickelt. Kirche wird als Sakrament des Friedens verstanden. Hätten die Bischöfe nicht Angst vor der eigenen Courage gekriegt und im sozialethischen Teil stark gegengesteuert und radikale Aussagen zurückgenommen, so wäre die katholische Kirche mit diesem Bischofswort fast über Nacht zur Friedenskirche mutiert. Dennoch bleiben die biblisch-theologischen Grundlegungen eine Herausforderung. Bisher hat es friedenskirchliche Theologie noch nicht als deutsches katholisches Bischofswort gegeben. Auch für den mennonitisch-katholischen Dialog liefert "Gerechter Friede" einen guten Ausgangspunkt.

    Jesus zerbricht das Gewehr

    Der Sonntagvormittag gehörte dem Familiengottesdienst mit der Enkenbacher Gemeinde. Das Thema lautete "In Jesus ist die Gewalt überwunden". Die Kinder verteilten Postkarten mit dem Motiv "Jesus zerbricht das Gewehr" und erklärten den Erwachsenen, was darauf zu sehen war. Verschiedene Beispiele wurden geschildert von Gewalt und Ansätzen ihrer Überwindung: Gewalt in der Schule - Streitschlichtungsprogramme; Gewalt gegen Ausländer - Hilfe für Asylbewerber; ethnische Gewalt in Ex-Jugoslawien - christliches Friedenszeugnis; strukturelle, militärische, paramilitärische und revolutionäre Gewalt in Kolumbien - gewaltfreie Alternativen/Zufluchtsräume des Friedens. - Marina Hermann nahm uns in ihrer Predigt mit auf eine Reise durch altes und neues Testament und zeigte eindrucksvoll und lebendig auf, wie Gott Gewalt überwindet.

    Wolfgang Krauß


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