Eid

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    Vorbild sein

    Für Horst H. Krüger geht es beim Eid eigentlich um Wahrhaftigkeit

    Nun, ich bin Beamter und habe den Eid als Beamter (Diplom Sozialpädagoge) nicht geleistet. Dennoch bin ich Beamter geworden. Damals habe ich mich auf mein "Mennonit-sein" zurückgezogen, ohne groß über den Eid nachzudenken. Im Grunde habe ich durch das Versprechen mit Handschlag das Gleiche getan und bin auf die gleichen juristischen Konsequenzen hingewiesen worden. Nach wie vor stehe ich also als Beamter "auf dem Grundgesetz". Heute habe ich eine etwas differenziertere Stellung zum Eid. Ich denke, wir brauchen ihn nicht mehr. Wenn schon nicht mehr die Formel "In Gottes Namen" gebräuchlich ist, worauf soll oder kann ich dann einen Eid leisten? Meiner Meinung nach hat der Eid in seiner ursprünglichen Bedeutung heute an Wert verloren. Ein sogenanntes Schwören auf der Bibel halte ich für total absurd. Denn ein nicht glaubender Mensch kann hiermit ja nichts mehr anfangen. So kann doch nur die Konsequenz sein: Eure Rede sei Ja oder Nein! Für einen gläubigen Menschen sollte dieses der richtige Weg sein.

    Der Eid hat an Bedeutung verloren

    Gleichzeitig merke ich, daß mich dieses nicht wirklich befriedigt. Ich stelle fest, daß Sanktionsmaßnahmen, daß eine sogenannte letzte Ehrlichkeit, eine genaue Wahrheit nicht mehr gefunden werden kann. Hier wird der Eid bereits als nicht mehr vorhanden angesehen. Dennoch frage ich mich, was tritt tatsächlich an seine Stelle? Verschieben wir nicht die Diskussion, wenn wir über den Eid sprechen? Sollten wir nicht eher über ein Verschwinden von Werten in unserer Gesellschaft nachdenken? Denn wenn ich

    Ein formales "Ja oder Nein"

    keine Werte, keine Vorbilder für andere mehr vermitteln kann, dann kann ich auch auf die entleerte Form des Eides verzichten. Mein Bestreben muß dahin gehen, daß ich in meiner Umgebung versuche, ehrlich zu sein. Diese Ehrlichkeit kann dann wieder zurück greifen auf "Eure Rede sei Ja oder Nein!" Ich bin nicht der Meinung, daß sich die Mennonitenschaft jetzt neu stark machen und für eine Abschaffung des Eides eintreten sollte. Dennoch muß innerhalb unserer Kirche der Eidverzicht und damit die Frage nach der Wahrhaftigkeit wieder stärker ins Blickfeld gerückt werden. Wenn ich über den Eid nachdenke, dann tauchen bei mir Begriffe und Wörter auf, die irgendwie vergraben sind in der Gesellschaft: Vorbild sein, verbindlich sein, Wahrhaftigkeit und Verläßlichkeit. Es gilt, diese Wörter wieder mit Leben zu füllen, damit sie wieder eine Bedeutung erlangen. Dann brauchen wir den Eid als eine Bekräftigung nicht mehr.

    Horst H. Krüger


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