Ehrenamt

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    Nur was für Frauen?

    Johannes Penner zur Geschlechterverteilung in Ehrenämtern

    Ganz sicher nicht! Männer engagieren sich ebenso in Ehrenämtern, oftmals in anderen Bereichen und vielleicht auch auf eine andere Art und Weise. Sicher, in manchen Bereich engagieren sich eher Frauen als Männer, aber in manchen Bereichen ist es umgekehrt.

    Die Arbeit mit Kindern scheint eher etwas für Frauen zu sein.

    Wenn man sich anschaut, wer das Kinderprogramm bei Veranstaltungen oder den sonntäglichen Kindergottesdienst macht, so sind dies vorwiegend Frauen und Jugendliche. Ebenso ist es im Arbeitskreis Kinder im Jugendwerk: Dort sind ein Mann und neun Frauen vertreten; einen männlichen Angestellten für diesen Bereich gab es im Jugendwerk meines Wissens bisher auch noch nicht. In meiner früheren Gemeinde in Sembach war der Kindergottesdienst fast ausschließlich "Frauensache", nur bei einem Kindertag oder einer Kinderwoche haben sich auch einige jugendliche Männer engagiert. Auch hier in der Gemeinde auf dem Thomashof ist es von der Tendenz her ähnlich: 2 bis 3 Männer und 7 bis 8 Frauen engagieren sich für den Kindergottesdienst. Ein ähnliches Bild ergibt ebenfalls die Verteilung der Mitarbeitenden auf unseren Freizeiten. Hierzu die Statistik der Mitarbeitenden bei Kinderfreizeiten wie auch bei Teen- und Jugendfreizeiten der letzten drei Jahre: Freizeiten Jahr Frauen in Prozent Männer in Prozent insgesamt Kinder.

    Warum ist das so, daß die Arbeit mit Kindern vorwiegend von Frauen gemacht wird? ¨ Hat es vielleicht damit zu tun, daß Kindererziehung traditionell Frauensache ist? Sind Frauen eher geeignet für die Erziehung? Warum gibt es viel mehr Erzieherinnen als Erzieher? ¨ Oder hat es damit zu tun, daß Männer "wichtigere" Dinge und Ämter haben wie Gemeindeleitung oder Predigtdienste? ¨ Oder sind die Männer doch eher zurückhaltend in Bezug auf ehrenamt-liches Engagement und haben stärker die berufliche Karriere im Blick? ¨ Haben Frauen mehr Zeit neben der Hausarbeit, der Kindererziehung? ¨ Ist ihnen Berufstätigkeit und Karriere nicht so wichtig? ¨ Brauchen Sie vielleicht eher noch eine Abwechslung zu ihrer täglichen Arbeit, sei es im Haushalt oder am Arbeitsplatz? ¨ Ist ihnen das Ehrenamt wichtiger als Männern, das unentgeltlich für andere da sein? Es ist sicher von allem etwas dabei. Aber pauschal und einheitlich läßt sich das sicher nicht beantworten und auch für jeden zählt wieder etwas anderes. Eine andere meiner Beobachtungen ist

    die, daß die Arbeit mit Kindern oft von Jugendlichen genutzt wird als Einstieg in die Mitarbeit. Zum einen ist es sicher sinnvoll, daß z.B. 15- oder 16jährige mit Kindern arbeiten und nicht mit Gleichaltrigen. Zum anderen steckt (leider) manchmal die Haltung dahinter,

    Einstieg mit Kinderarbeit

    Jugendliche können es ja mal mit Kindern versuchen, da ist nicht so viel Verantwortung notwendig und da kann man nicht so viel falsch machen. Aber da sollte man mal die fragen, die verantwortlich mit Kindern arbeiten. Aus ihrer Sicht erfordert die Arbeit mit Kindern ebenso Verantwortung wie jeder andere Bereich der Gruppenarbeit oder der Mitarbeit in der Gemeinde überhaupt. Oft wechseln dann die Jugendlichen, die mit der Arbeit mit Kindern anfangen, nach 2 oder 3 Jahren in den Bereich der Teen- oder Jugendarbeit. Bei unseren Freizeiten stellen wir dann auch fest, daß es nur wenige gibt, die über Jahre hinweg kontinuierlich Kinderfreizeiten machen und damit viel Erfahrung sammeln und die Fähigkeit haben, andere wieder anzulernen. Und diese wenigen sind (fast) nur Frauen.

    Das sind Fragen und Beobachtungen, die vor allem zum Nachdenken anregen sollen.

    Zurück zur Statistik. Im zweiten Teil geht es um den Bereich Teen- und Jugendarbeit. Hier ist das Verhältnis von Frauen und Männern annähernd gleich. Aber auch hier sind die Frauen in der Überzahl. Gut, wenn man die 2 bis 3 Köchinnen abzieht, die jedes Jahr dabei sind und auch in diesen Zahlen enthalten sind, sind es im Durchschnitt genau so viele Männer wie Frauen. Aber kochen können auch Männer, nicht nur Berufsköche. Deswegen sind in der Statistik Köchinnen genauso zu den Mitarbeitenden gezählt.

    Meine eigenen Erfahrungen

    Meine eigenen Erfahrungen habe ich zum Teil schon in dem bisher geschriebenen dargestellt, wobei sich mein Horizont im wesentlichen auf den mennonitischen Bereich beschränkt. Frauen engagieren sich eher im Bereich Kinder, Hauswirtschaft und Küche oder im gestalterischen Bereich, Männer eher in der Jugendarbeit, in der Leitung, als Prediger oder handwerklich. Das ist zumindest von der Tendenz her so. Ich kenne aber auch hervorragende Predigerinnen, engagierte Männer, die Kindergottesdienst machen, organisatorisch begabte Frauen und begeisterte Freizeitköche. Ich habe das bisher nicht als problematisch erlebt, daß manche Aufgaben eher von Männern, andere eher von Frauen übernommen werden. Genauso wenig, wenn Frauen sich in "traditionellen" Männerämtern einbringen oder auch umgekehrt. Es wird für mich erst dann schwierig, wenn man, um mal das klassische Beispiel zu nehmen, Frauen das Wort in der Gemeinde verbietet, sprich: sie nicht predigen läßt oder ihnen sogar die öffentliche Meinungsäußerung verbietet. Oder wenn mann bei anderen Ämtern versucht, frau den Zugang mit einer scheinbar biblischen Begründung zu verbieten. Dem halte ich entgegen, daß zunächst einmal die von Gott gegebene Begabung und die Befähigung von Bedeutung ist, ob jemand für eine Aufgabe geeignet ist.Ich glaube nicht, daß Gott die eine oder andere Gabe nur Männern oder Frauen gibt.Vielleicht gibt er manche Gaben vorzugsweise Frauen oder Männern, da sie von ihrem Wesen oder von ihren Charakterzügen her dafür eher geeignet sind.

    Ich erlebe es oft als bereichernd, wenn Männer und Frauen zusammen arbeiten.

    Sie können sich prima ergänzen mit ihren Eigenschaften und Fähigkeiten. Reine Männergremien habe ich z.B. schon manchmal steif oder sehr kühl erlebt. Wenn Frauen dann dabei sind, schafft das gleich eine andere Atmosphäre. Ein Beispiel dafür, daß Männer sich doch eher schwer tun mit ehrenamtlichem Engagement ist, daß es in vielen Gemeindeverbänden einen eigenen Bereich Frauenarbeit gibt, aber nichts vergleichbares für oder von Männern. Und wenn, dann ist die Bedeutung oder der Umfang um einiges geringer als bei den Frauen. Die Frühstückstreffen für Frauen unterstreichen diese Beobachtung. Hier bringen sich Frauen mit hohem Engagement ein, vom Serviettenfalten über die Gesprächsführung, dem Referat halten bis zur Hauskreisleitung. Und das alles ohne Männer, die nur ganz selten mal an einem besonderen Abend als Ehepartner eingeladen sind; oder der eine oder andere Mann, der mit seiner Frau ein Referat hält. Wo sind die Männer, die vergleichbares auf die Beine stellen, das außerdem noch öffentlichkeitswirksam und missionarisch im besten Sinne ist? Sicher kann man zu der Frage der Verteilung der Geschlechter im Ehrenamt noch mehr Aspekte und Beispiele aufführen. Und es auch noch auf die Frage erweitern, wie die Verteilung bei den Angestellten ist, im kirchlichen wie auch im nichtkirchlichen Bereich. Aber zum Nachdenken, zum Gespräch oder zur Diskussion soll dies einmal genügen.

    Johannes Penner


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