Irak-Krise

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    Friedenszeichen in Irak

    Mit dem Christian Peacemaker Team im Irak

    Christian Peacemakerteams / Christliche Friedenstifterteams (CFT) ist eine Initiative der nordamerikanischen historischen Friedenskirchen (Mennoniten, Church of the Brethren und Quäker). CFT stellt sich in Konfliktsituationen aktiv und gewaltfrei zwischen die streitenden Parteien. Das angekündigte Vorhaben, Friedensdelegationen in den Irak zu entsenden, wurde inzwischen in die Tat umgesetzt.

    Die erste Delegation war im Oktober im Irak unterwegs. Die Teilnehmer aus Nordamerika besuchten u.a. ein Lehrkrankenhaus in Bagdad und erfuhren dort, wie die Sanktionen der UN eine angemessene Behandlung von Krebspatienten praktisch unmöglich machen.

    Eine Teilnehmerin dieser Delegation blieb länger im Irak und berichtete nach ihrer Rückkehr im Dezember von ihren Eindrücken und Erfahrungen: Sie war überrascht, wie frei sie sich bewegen und mit Einheimischen sprechen konnte - wobei sie immer wieder mitzuteilen versuchte, dass sie weder die US-amerikanische noch die irakische Regierungspolitik unterstützt.

    Eine zweite CFT-Delegation weilte dann von Ende Dezember bis Anfang Januar im Irak. Ein Teilnehmer berichtete von einer Begegnung mit einem Iraker, der sich zunächst über den Fremden zu ärgern schien, diesem aber nach dem Lesen eines Infoblattes über dessen Besuch im Irak für sein Kommen dankte. Am Neujahrstag hielt die Gruppe vor dem UN-Quartier in Bagdad ein Friedensgebet - unter einem Plakat mit der arabischen und englischen Aufschrift "Neujahrsvorsatz: Kein Angriff auf Irak". Sie beobachtete, dass Passanten und UN-Inspektoren freundlich reagierten.

    Betroffene des 11.9. für den Frieden im Irak

    Diese Delegation musste eine traurige Erfahrung machen. Bei einer Autofahrt von Basra nach Bagdad platzte ein Reifen. Der Fahrer konnte nicht verhindern, dass das Auto von der Straße abkam. Dabei wurde der Kanadier George Weber, 73, tödlich verletzt. Weber war Geschichtslehrer im Ruhestand. Er hatte zuvor schon an CFT-Einsätzen in Hebron/Palästina teilgenommen. Vor dem Ausflug nach Basrah hatte er bei einem einheimischen Schneider einen Maßanzug bestellt, um damit ein wenig gegen die Not im Lande zu tun - diesen Anzug trug er nachher auf seiner letzten Reise.

    Im Januar flog die dritte CFT-Delegation in den Irak. Aber auch andere Gruppen reisten in den letzten Wochen dorthin, so etwa Mitglieder des deutschen Zweiges des Internationalen Versöhnungsbundes, die christliche Gemeinden, Synagogen und Moscheen besuchten. Oder leitende Personen christlicher Kirchen aus den USA, die auch den stellvertretenden Premierminister des Irak trafen, der selbst Christ ist und mit ihnen betete.

    Auch vier Angehörige von Opfern der Terroranschläge vom 11.9.01 reisten im Januar nach Irak, um für eine friedliche Beilegung der Irak-Krise einzutreten. Gemeinsam mit Irakern, die 1991 durch alliiertes Bombardement Verwandte verloren hatten, wollten sie "ihrer Hoffnung Ausdruck zu geben, dass Krieg und Gewalt ein Ende nehmen", erklärte der Verband "Familien des 11. September für ein friedliches Morgen". Als Ort für ihre Pressekonferenz wählte die Gruppe die Ruinen eines Luftschutzbunkers, in dem im Golfkrieg 1991 fast 400 Zivilisten durch US-Bomben getötet worden waren.

    Anfang Februar machte sich die vierte CFT-Delegation auf den Weg. Mit dabei auch Cor Keijzer aus den Niederlanden. Er ist Mitglied im Vorstand des europäischen friedenskirchlichen Netzes "Church and Peace".

    Hans Jakob Galle / Wolfgang Krauß


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