Freikirchen

| Titelbild |

    Die Losungsmacher

    Die Herrnhuter Brüdergemeine / Evangelische Brüder-Unität stellt sich vor

    Ein Nachtrag zur letzten Ausgabe der jg. Im folgenden Text stellt sich die Herrnhuter Brüdergemeine selbst vor. Es handelt sich bei dem Text um einen Vorabdruck des "Taschenlexikons Ökumene". Es wird zum Ökumenischen Kirchentag erscheinen. Der Verfasser ist Vorsitzender der Direktion der Evangelischen Brüder-Unität Die Herrnhuter Brüdergemeine ist eine freundliche kleine Freikirche mit weltweiter Ausstrahlung. Ihr Bekenntnis ist evangelisch. Sie ist 270 Jahre alt und in 30 Ländern auf 5 Kontinenten vertreten. Weltweit hat sie 762.000 Mitglieder, 480.000 davon in Afrika. Wir sind auf vielen Gebieten tätig. Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten und Altenheime gehören zu unserer kirchlichen Arbeit. Unsere Wirtschaftsbetriebe bieten Arbeitsplätze in Handwerk und Produktion.

    800.000 Mitglieder

    Die Evangelische Brüder-Unität ist eine ökumenisch offene Kirche. Sie ist auch unter dem Namen Herrnhuter Brüdergemeine bekannt.

    In ihren Gottesdiensten und ihrem Gemeindeleben legt sie einen großen Akzent auf das Erleben der Gemeinschaft der Glaubenden, besonders durch die Vielfalt der Formen und die zahlreichen Lieder. Doch auch wenn ihr die Gemeinschaft ihrer Glieder wesentlich ist, bemüht sie sich, auch die Einzelnen im Blick zu behalten. Dazu dienen die verschiedenen Kreise und Gruppen. Als Freikirche ist sie darauf angewiesen, dass sich möglichst viele einbringen.

    Der Brüder-Unität ist der persönliche Glaube jedes Gemeindeglieds an Jesus Christus als den Erlöser ein Anliegen. Dennoch ist sie keine dogmatisch festgelegte Kirche. Sie kennt kein für alle verbindliches Bekenntnis, würdigt aber in ihrem Grundsatzdokument verschiedene christliche Bekenntnisse, weil "in ihnen die Hauptaussagen des christlichen Glaubens klar und einfach ausgesprochen sind."

    Die Brüdergemeine lebt in verschiedenen Gemeinschaftsformen. Neben den alten Ortsgemeinden (Siedlungsgemeinden) gibt es heute Großstadt- und Regionalgemeinden sowie eine ökumenische Lebensgemeinschaft Für viele jüngere Mitglieder sind die zahlreichen Freizeiten und Rüstzeiten sowie andere überregionale Treffen besonders wichtig.

    Auch wenn die Brüder-Unität in vielen Ländern eine selbständige Freikirche geworden ist, versteht sie sich zugleich als Dienstgemeinschaft für die Großkirchen. In einigen europäischen Ländern (Schweiz, Schweden, Estland) besteht sie bis heute ausschließlich in der Form einer innerkirchlichen Gemeinschaft in der Landeskirche ("Sozietät").

    Die Losungen, ein Andachtsbuch mit Bibeltexten, Liedversen und Gebeten, sind ein solcher Beitrag der Brüder-Unität an die gesamte Christenheit. Sie erscheinen heute in 50 Sprachen. Die deutschsprachige Auflage allein beträgt eine Million Exemplare. Dazu sind sie auf vielen kirchlichen Internet-Seiten abrufbar.

    Die Anfänge der Herrnhuter Brüdergemeine gehen auf den Grafen Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (1700-1760) zurück. Auf seinem Gut siedelten sich im Jahr 1722 Nachkommen der Böhmischen Brüder an und gründeten den Ort Herrnhut. Zinzendorf stand innerhalb der damaligen Glaubensbewegung des Pietismus für eine große ökumenische Offenheit.

    Der neu entstandenen Gemeinschaft in Herrnhut war es ein Anliegen, die gute Botschaft von der Erlösung durch Jesus Christus in alle Welt zu tragen. Innerhalb von wenigen Jahren zogen Brüder und Schwestern in viele Länder auf allen Kontinenten. Sie wollten mit denjenigen das Leben teilen, die am meisten benachteiligt waren, und ihnen das Evangelium verkündigen. Eine Folge dieser Missionstätigkeit besteht darin, dass die Brüder-Unität heute eine internationale Kirche ist. Sie hat 800.000 Mitglieder in 26 Ländern, mehr als die Hälfte davon in Afrika. In Deutschland gehören 6.750 Menschen in 17 Gemeinden zu ihr. Zur Europäisch-Festländischen Provinz der Brüder-Unität, einer von 19 Provinzen (selbständigen Kirchen) weltweit, gehören Gemeinden und Gemeinschaften in Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz, Dänemark, Schweden und Estland. Trotz der Überschaubarkeit im eigenen Land hat die Brüdergemeine zahlreiche Verbindungen zu Christen und Christinnen in aller Welt.

    Die Brüder-Unität kennt die Kindertaufe. Den Eltern, die das wünschen, wird jedoch die Möglichkeit des Tauf-Aufschubs gegeben. Zum Abendmahl werden alle eingeladen, die dazu in ihrer Kirche berechtigt sind. Die Brüder-Unität hat ordinierte Pfarrer und Pfarrerinnen, sowie eine Reihe weiterer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im geistlichen Dienst. Sie wird von einer Synode geleitet, die alle zwei Jahre zusammen kommt. Ihre ständige Kirchenleitung ist die Direktion mit vier Mitgliedern in Herrnhut (Sachsen), Bad Boll (Württemberg) und Zeist (Niederlande). Daneben hat sie Bischöfe, die aber nicht der Kirchenleitung angehören, sondern ausschließlich geistliche Aufgaben haben.

    Die Brüder-Unität ist Mitglied in zahlreichen ökumenischen Zusammenschlüssen und Arbeitsgemeinschaften, so in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK). Eine Besonderheit ist ihre Zwischenstellung zwischen Landes- und Freikirchen: Sie ist Gastmitglied in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) und zugleich der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angegliedert. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) und war in einigen Ländern bei der Gründung der Evangelischen Allianz (EA) beteiligt.

    Martin Theile

  • Noch mehr Informationen gibt es hier: Brüder-Unität, Postfach 21, 02745 Herrnhut, Fon 035873-4870, www.ebu.de
    Literatur:
  • Hans-Beat Motel: Die Evangelische Brüder-Unität. (Broschüre, 4. Auflage, Bad Boll und Hermhut 1997).
  • Erika Geiger: Nikiolaus Ludwig von Zinzendorf. Seine Lebensgeschichte (2. Auflage, Holzgerlingen 2000).
  • Hartmut Beck: Brüder in vielen Völkern. 250 Jahre Mission der Brüdergemeine (Erlangen 1981).


© www.jungegemeinde.de