Irak-Krise

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    “Liebet eure Feinde, statt sie zu bombardieren”

    Im jg-Inteview zur Irak-Krise: Wolfgang Krauß vom Deutschen Mennonitischen Friedenskomitee

    Welche Position bezieht das DMFK zur aktuellen Diskussion um das Verhalten Deutschlands bei einem möglichen Kriegsbeginn gegen den Irak?
    Wir haben keine "offizielle" DMFK-Position erarbeitet. Bei unserer Mitgliederversammlung im Februar in Sembach/Pfalz wurde, wen könnte es überraschen, deutlich, dass DMFK gegen diesen Krieg ist. Als Christen sehen wir uns beauftragt gute Nachricht zu bringen, Jesus fordert uns heraus, Feinde zu lieben, nicht sie zu bombardieren. Aus dieser Haltung heraus haben wir am Nachmittag unserer MV das Friedensgebet an der US Airbase Ramstein gestaltet und dort mit anderen Christen gebetet, dass der Krieg doch noch verhütet werde. Die meisten DMFK´ler unterstützen sicher die Haltung der Bundesregierung, auch wenn wir uns wünschen, sie würde noch konsequenter vorgehen und z.B. keine Überflugrechte und keine Nutzung der US-Basen hierzulande zum Aufmarsch in die Golfregion erlauben.

    Hat es vom DMFK koordinierte Aktionen gegeben?
    Am 28.12.02, dem Tag der unschuldigen Kinder, initiierten wir das Friedensgebet in Ramstein. Anschei-nend hatten viele darauf nur gewartet. Die Beteiligung aus umliegenden Mennonitengemeinden und aus den Kirchen insgesamt ermutigte uns sehr. Im Januar wurde beschlossen jeden Samstag an der Airbase zu beten. Inzwischen haben Christen aus der Region, die organisatorische Verantwortung übernommen. Zwischen 50 und 300 Leute kommen jeden Samstag und beten an diesem Ort, von wo aus der Aufmarsch in die Golfregion läuft und die Truppen dort mit Nachschub versorgt werden.
    Außerdem haben wir mit anderen Organisationen zusammen im Januar das Military Counseling Network (MCN), das es bereits im Golfkrieg 1991 gab, wieder gegründet. Es soll US-Soldaten und Soldatinnen über die Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung informieren und beraten. Um unsere Berater und Beraterinnen fit zu machen, haben wir inzwischen eine Schulung mit zwei Fachleuten von einer amerikanischen Verweigererorganisation durchgeführt. Bei der GI-Beratung helfen vor allem junge AmerikanerInnen, darunter Dave Stutzman aus dem DMFK-Büro, Megan Rutt von Christliche Dienste und Tim Sauder.

    Ist das Interesse für eure Arbeit in den letzten Wochen gestiegen?
    Es gibt vermehrt Anfragen vor allem per Telefon und E-Mail. Zu MCN haben wir außerdem viele Anfragen von Journalisten. Es gibt jede Woche mehrere Interviews mit Dave und mir von verschiedenen Radiostationen. Auch einige TV-Teams waren bei uns im Büro.

    Welche Zusammenarbeit gibt es mit welchen anderen Gruppen?
    Wir arbeiten in Ramstein mit Gemeinden und christlichen Friedensorganisationen zusammen. Die Träger von MCN umfassen ein breites Spektrum von KDV-Organisationen, christlichen und weltlichen Friedensinitiativen, wie "Ohne Rüstung leben" oder "Versöhnungsbund".

    Gibt es gemeinsame Aktionen mit US-amerikanischen Mennoniten?
    Ja, es gibt gute gegenseitige Kontakte. Wir ermutigen uns gegenseitig und verfolgen vor allem die Initiativen von MCC, Mennonite Church und Christian Peacemaker Teams (CPT). Eine Gebetsvorlage von der Webseite der Mennonite Church haben wir übersetzt und in Ramstein gebetet. Eine Verpflichtungserklärung daraus ist inzwischen zum wiederkehrenden Element der Gebete dort geworden. Gerade der Kontakt zu Mennoniten und anderen Christen in USA ist sehr wichtig, angesichts der ständigen Vorwürfe des Anti-Amerikanismus.

    Habt Ihr Kontakte in den Irak?
    Ja, über Exil-Iraker hierzulande und über CPT.

    Welche Planungen gibt es für die nähere Zukunft?
    Wir werden weiter gegen den Krieg arbeiten. Der Krieg bricht ja nicht aus wie ein Naturereignis, wie etwa ein Vulkan. Es sind Menschen, die ihn planen und beginnen. In diesem Fall ein selbst unter zweifelhaften Umständen gewählter US-Präsident. Wenn er, gegen die Mehrheit der Menschen auf der ganzen Welt, den Krieg befiehlt, dann werden wir leider erneut Gelegenheit haben, auf die schrecklichen Folgen hinzuweisen und hoffen, dass daraus für ein nächstes Mal Lehren gezogen werden.

    Gibt es konkrete Vorschläge, was auf politischer Ebene jetzt getan werden sollte?
    Es hat uns überrascht, dass die Bundesregierung solange und so hartnäckig gegen den Krieg sich einsetzt. Auch wenn Schröder und Fischer keine Pazifisten geworden sind, brauchen sie doch unser aller Unterstützung für ihre mutige Politik.

    Was wünscht Ihr Euch von den mennonitischen Gemeinden?
    Wir ermutigen die Gemeinden für den Frieden zu beten innerhalb und außerhalb ihrer Kirchen- oder Gemeindehausmauern. Von den einen wünsche ich mir, dass sie noch mehr herauskommen aus ihrer Haltung der Stillen im Lande und ein öffentliches Friedenszeugnis geben, dass sie sich solidarisch zeigen mit ihrem Herrn, dem Friedefürsten. Andere möchte ich herausfordern, ihre mennonitische "Kirchlichkeit" hinter sich zu lassen und sich neu inspirieren zu lassen vom Evangelium des Friedens. Es gibt dazu hier und da gute Ansätze. So hat die Mennonitengemeinde Frankfurt eine Anzeige in der Tagespresse geschaltet und Gemeindeglieder dürfen auf Transparenten bei Demos die Gemeinde nennen.

    Was sonst noch gesagt werden muss...
    Die gegenwärtige Antikriegsbewegung sehe ich als Gelegenheit, zusammen mit Menschen verschiedenster Weltanschauung gegen diesen Krieg zu arbeiten. Sie ist auch eine Riesenchance, Menschen mit dem Evangelium der Versöhnung zu erreichen. Ich kann mit Menschen über Jesus, über die Versöhnung mit Gott und den Menschen sprechen, denen ich sonst nicht begegnen würde. Wenn ich bei einer Kundgebung rede, kann ich viele Menschen erreichen, die nie in eine Kirche oder eine Evangelisation kommen würden. - Auf Demos hatten wir Bammentaler meist ein Kreuz dabei mit den Worten "Liebet eure Feinde". Das war oft ein Anlass zum Gespräch. - Ich gehe auf keine Demo, ich halte keine Rede, ohne meinen Herrn Jesus mitzunehmen. Das hab ich von Christoph Blumhard und Johannes Harder gelernt. Als Christen sollten wir die großen Chancen nutzen und den aufgewühlten Menschen unsere Hoffnung, unsere Zuversicht und unseren Glauben nicht vorenthalten.

    Wolfgang Krauß
    Die Fragen stellte Gerrit Wiebe


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